Aus unserer Redaktion

Das Verbot von Prostitution - Zwischen Freiheit und Zwang (Teil 1)

Diese Seite widmet sich der Frage, ob man Prostitution zum Zwecke der erforderlichen geistigen und körperlichen Hygiene einer Gesellschaft und insbesondere zum Schutz der Frauen vor Ausbeutung und Menschenhandel nicht besser konsequent verbieten sollte, wie es in zahlreichen Ländern in unterschiedlicher Schärfe bereits gehandhabt wird. Um dieses Ziel in Deutschland, dem größten Sexmarkt Europas, zu erreichen, hat die bekannte Frauenrechtlerin Alice Schwarzer in 2013 eine forcierte Anti-Prostitutions-Kampagne eingeleitet; herausgekommen ist dabei das deutsche Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG), das zum 01.07.2017 in Kraft getreten ist und seitdem für reichlich Konfusion in der Branche gesorgt hat.


In Teil 1 dieses Beitrags werden als Einleitung zunächst einige grundsätzliche und auch provokante Überlegungen angestellt. Im Anschluss daran folgen drei ausführliche Plädoyers, die die Positionen der jeweiligen Seite pro und contra Prostitution charakterisieren; zunächst in Teil 1 von Alice Schwarzer als der führenden Vertreterin der Prostitutionsgegner. Angefügt daran ist ein Offener Brief der Freieroffensive an Alice Schwarzer.


In Teil 2 schließen sich drei Stellungnahmen von Doña Carmen e.V. Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten an.


In Teil 3 folgt schließlich eine Reihe von lesenswerten und nachdenklich stimmenden Artikeln zu diesem Thema, die vorwiegend in überregionalen und allgemein bekannten, der Prostitution fern stehenden Tages- oder Wochenzeitungen veröffentlicht wurden und insbesondere als Reaktion auf die oben erwähnte Kampagne von Alice Schwarzer zu verstehen sind.



Sex ist die wichtigste Handelsware der Frau, sexuelle Gunst ist ihr wichtigstes Lockmittel, sexueller Boykott ihre schärfste Waffe. Die Prostituierte verschleudert diese Ware unter Wert und sie verletzt den sexuellen Boykott. Charles Bukowski hat einmal sinngemäß geschrieben, dass die Ehefrau Prostituierte nicht möge, weil sie das Währungssystem Möse inflationierten („Die Einstellung der professionellen Hure inflationiert das Währungssystem Möse“).


Die Prostituierte bricht den weiblichen Konsens, demzufolge Sexualität so teuer wie nur möglich verkauft werden muss, sie schert aus aus dem Kartell der Sexanbieterinnen, sie betreibt Dumping, sie wechselt ins Lager des Feindes. Sie macht aus einer Beziehung, die auf typisch weibliche Art als große emotionale Erpressung organisiert sein sollte, ein faires Geschäft unter Gleichen auf Männerart. Darum hassen die Frauen die Prostituierten.


Auch wenn das alles wahr ist: Warum machen Männer beim Feldzug gegen die Prostitution mit?


Männer haben dafür diverse Motive, resultierend aus unterschiedlichen Interessen und Sachzwängen.

Für erfolgreiche Männer mit Frau und Geliebter, oder wechselnden Geliebten, oder Trophy-Wife, ist der Sex ein Statussymbol. Wieso sollte es also Sex für jedermann für kleines Geld geben? Aus dem gleichen Grund kann man auch Bordelle, Laufhäuser und Straßenstrich bekämpfen, aber (teure) Escorts und Callgirls dulden, wie in Frankreich.

Männer haben Töchter, insbesondere ältere Männer, die entweder selbst nicht mehr auf ständigen Sex aus sind oder Geld für Geliebte und Callgirls haben. Es liegt in ihrem Interesse, den Marktwert ihrer Töchter zu wahren.

Männer stehen unter dem Pantoffel, weil ihre Frauen die Beziehung als große emotionale Erpressung gestalten. Erstens tun sie sowieso, was ihre Frauen wollen, und zweitens haben sie nichts davon, wenn es anderen besser geht.

Männer sind, wenn sie im Rampenlicht stehen, große Heuchler.

In Gesellschaften mit einem Überschuss an sexuell frustrierten jungen Männern besteht für die Mächtigen die Möglichkeit, deren Sexualtrieb für ihre Zwecke auszunutzen, indem sie ihnen etwa Frauen als Kriegsbeute versprechen - oder 72 Jungfrauen im Jenseits.

Und schließlich gibt es Männer, die aus ehrlicher Überzeugung gegen die Prostitution sind, weil sie sie für ausbeuterisch oder gemeinschaftsschädlich oder gottlos halten.

Aber ein großes, gemeinsames, verbindendes Interesse des ganzen männlichen Geschlechts an der Bekämpfung der Prostitution, das sich in irgendeiner Form Bahn brechen muss, das gibt es nicht. Das gibt es aber beim weiblichen Geschlecht.



Eine Dienstleistung wie jede andere – Prostitution, Bordellbetreibung und alles, was zum Erotik-Bereich dazugehört. Oder doch nur Mittel zum Zweck, um mit einer schmutzigen Tätigkeit an möglichst viel Geld zu kommen? Sollte man dem ältesten Gewerbe der Welt daher mit einem Gesetz endgültig den Garaus machen? Eine Frage, der sich nicht nur Sandra Maischberger und ihre Gäste im November 2013 während einer Diskussionsrunde widmeten.


Immer noch stark umstritten sind die Meinungen zum Thema Prostitution und die Grenze zwischen freiwilliger und Zwangsprostitution scheint nahtlos ineinander überzugreifen. Um sich diesem Thema angemessen zu nähern, muss zunächst einmal definiert werden, ab wann etwas freiwillig geschieht und wo der Zwang beginnt. Geschieht etwas aus Freiwilligkeit, dann, so der Duden: „aus eigenem freiem Willen geschehend; ohne Zwang ausgeführt“. Zwang hingegen hat viele Definitionen und mindestens genauso viele Arten, sich zu zeigen. Eines ist jedoch sicher: Er nimmt dem Opfer, das ihm unterliegt, jegliche Entscheidungsmöglichkeit und unterstellt ihn somit einem so starken Einfluss, dass sich diesem nicht entzogen werden kann. Die sogenannte „Armutsprostitution“ zählt also strenggenommen nicht zur Zwangsprostitution, da das Überleben auch auf andere Arten gesichert werden könnte und somit kein Zwang zur Prostitution besteht, dem man sich nicht entziehen könnte. Wenn man denn wollte. Doch Feministinnen wie Alice Schwarzer sehen das anders: „Wir müssen den Verursacher beim Namen nennen: Die Männer. Es gäbe keine Prostitution, wenn Männer keine Mädchen und Frauen kaufen würden.“


Natürlich. Und es gäbe keine Automobilhersteller mehr, wenn fortan alle Menschen zu Fuß gehen würden. – Logische Konsequenz: Die Arbeitslosenquote steigt. Ganz zu schweigen davon, dass es durchaus auch männliche Prostituierte gibt und Frauen, die dafür zahlen. Doch nicht nur das! Auch würde ein Verbot von Prostitution oder eine Bestrafung der Freier, wie es das schwedische Modell vormacht, zu viel mehr illegalen Tätigkeiten und Kriminalität führen, da die Menschen dennoch ihre Lust nach solchen natürlichen Grundbedürfnissen befriedigen wollen, ja sogar müssen, und somit andere Wege suchen, um ihren Hunger zu stillen. Sie kommen zum Beispiel in Länder wie Deutschland, in denen Prostitution noch erlaubt ist und sorgen dort dafür, dass die Nutzungsrate steigt.


Kurzum hieße das: Verböte man Prostitution auch in Deutschland, würden Bordelle illegal betrieben, die Mieten für Zimmer teurer werden und die Prostituierte wären gezwungen, täglich entweder mehr Kunden zu „bedienen“ oder sich ins Ausland abzusetzen. Eine diskutable Lösung? Wohl kaum. Schwarzer würde jetzt höchstwahrscheinlich damit argumentieren, dass sich in einem solchen Falle die Arbeiter/innen in diesem Gewerbe doch liebend gerne eine andere Arbeit suchen können und das eigentlich auch wollen. Denn alle Prostituierten übten ihre Tätigkeit ja unter Zwang aus, versteht sich.


Dass diese Meinung nur von geringem Einfühlungsvermögen und fehlender Akzeptanz anderer Meinungen herrührt, ist offenkundig. Die Gegenposition der Feministinnen sind Sexarbeiter/innen, die ihren Beruf freiwillig ergriffen haben und gerne ausüben. Doch ebendiesen wird die Stimme einfach genommen. Sie werden als „psychisch krank“ oder „zur Prostitution gezwungen“ deklariert und mit Opfern von Menschenhandel gleichgesetzt. Jonas Trolle, ein Polizist aus Schweden, betont sogar: „Niemand übt diesen Beruf freiwillig aus.“ und hat mit seiner Meinung viele Aktivisten und Feministinnen auf seiner Seite.


Dass Prostitution durchaus freiwillig erfolgen kann und in so einem Fall eine völlig normale Dienstleistung wie jede andere ist und mit Menschenhandel rein gar nichts zu tun hat, scheint für Schwarzer, Trolle und Co. vollkommen indiskutabel. Es scheint, als wäre etwas, nur weil es unter Zwang nicht in Ordnung ist, auch freiwillig nicht in Ordnung. Im Endeffekt also wie Feldarbeit in Afrika. Zwingt man Menschen dazu, dann ist es absolut menschenunwürdig. Keine Frage. Die Arbeit auf dem Feld an sich ist allerdings, unter der Bedingung, dass es freiwillig geschieht, eine völlig zumutbare Möglichkeit, seinen Unterhalt zu verdienen. Ein Dilemma, aus dem es unmöglich scheint, auszubrechen.


Das mag unter anderem auch daran liegen, dass es keine eindeutigen Zahlen darüber gibt, wie viele Arbeiter/innen auf freiwilliger Basis ihrem Beruf nachgehen. Nur im Bereich der Prostitution wisse man angeblich genau, dass die Zahl derer, die zwangsprostituiert, verschleppt und verkauft werden, erschreckend hoch sei. Laut dem Hauptkommissariat München arbeiten 90% der Prostituierten in Deutschland als Zwangsprostituierte, wie Kommissar Helmut Sporer darlegt. Auch Frau Schwarzer wirft in diversen Medien bis heute immer wieder mit bemerkenswert hohen Zahlen um sich: 90% der Prostituierten stünden unter Zwang, außerdem kämen 90% der Sexarbeiterinnen aus Osteuropa und sowieso seien „über 90%“ der Damen schon im Kindesalter missbraucht worden. Eine Quelle für diese Behauptungen gibt es allerdings nicht. Doch wie sieht es mit den Zahlen der ordentlich eingetragenen Mitarbeiter/innen im Prostitutionsgewerbe aus? Fehlanzeige. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele nur zeitweilig in diesem Gewerbe tätig sind. Allerdings sind Zahlen wie die der Polizei München weder stichhaltig noch mit zuverlässigen Daten zu belegen.


Traurig, aber wahr: Anscheinend wird Prostitution in der heutigen Gesellschaft immer noch als schmutzig und versaut angesehen und sowohl Bordellbetreiber als auch Sexarbeiter/innen und Kunden fühlen sich genötigt, ihre Interessen und Berufe zu verheimlichen, sich teilweise sogar dafür schämen zu müssen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihnen auferlegt wird, ihre Arbeit könne doch keinen Spaß machen und sei daher menschenunwürdig. Ergo muss Arbeit also Spaß machen, um anerkannt zu werden. Doch was ist mit „normaler“ Arbeit wie zum Beispiel Kanalreinigung? Wenn diese den Arbeitern keinen Spaß macht, ist sie dann ebenfalls menschenunwürdig? Wohl kaum. Auch Amber Lain, ehemalige freiwillige Sexarbeiterin und heute Bordellbesitzerin, hält dagegen: „Prostitution ist, natürlich auf Basis des eigenen Willens, eine Dienstleistung wie jede andere. Prostitution ist nicht gleich Menschenhandel. Und eine Sexarbeiterin keineswegs psychisch krank oder ein Opfer.“ Aber es ist selbstverständlich einfacher und bequemer, gegen etwas zu polemisieren, als sich die Mühe zu machen, die Sichtweise zu ändern und es so zu verstehen. Sogar die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht sich auf einer Abstimmung in Dublin positiv für die Legalisierung von Prostitution aus.





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Liebe Befürworterinnen der freiwilligen Prostitution!


veröffentlicht am 14. August 2014 von Alice Schwarzer



Sollte die Reform des fatalen Prostitutionsgesetzes von 2002 jetzt scheitern, dann liegt das an euch: den linken Frauen. Ihr, die engagierten Frauen in der SPD und bei den Grünen oder Linken; ihr, die aufrechten Protestantinnen; ihr, die coolen Szene-Bloggerinnen seid führend bei der Befürwortung der Prostitution (Die Männer halten sich auffallend zurück). Und ihr meint das vielleicht sogar auch noch gut. Denn ihr haltet eine Ächtung der Prostitution letztendlich für die Ächtung einer freien Sexualität.


Ihr scheint fasziniert von dem, was ihr in Brigitte oder Zeit oder taz über „glückliche Sexarbeiterinnen“ schreibt bzw. lest. Vor den hunderttausenden, meist osteuropäischen, Elendsprostituierten verschließt ihr die Augen. Stattdessen idealisiert ihr die paar tausend, meist deutschen, so genannten „freiwilligen“ Prostituierten, die es hierzulande noch gibt. Das sind Gelegenheitsprostituierte, das sind selbstständige Dominas oder Ex-Prostituierte, die längst ein eigenes „Studio“ betreiben, wo sie andere Frauen für sich ­anschaffen lassen.


Ist euch eigentlich klar, dass eure Pro-Prostitutions-Haltung einmalig ist auf der Welt, ein echtes deutsches Phänomen? In Ländern wie Frankreich, Schweden oder Amerika würdet gerade ihr vermutlich ganz anders denken. Denn da bezeichnet man die Prostitution als „White Slavery“, und sind fortschrittliche Frauen zwar selbstverständlich solidarisch mit Prostituierten, kritisieren bzw. bekämpfen jedoch das System Prostitution.


Dieses System, das aus Frauen das käufliche Geschlecht macht – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der der „kommunikative Sex“, also eine wirklich gleichberechtigte und gegenseitige Sexualität zwischen den Geschlechtern, zunimmt (wie auch die SexualforscherInnen konstatieren). Eure Verharmlosung und Bejahung des kommerzialisierten Sex aber dreht diese positive Entwicklung ­zurück.


Wie konnte es zu so einem Missverständnis kommen? Was könnte der Grund dafür sein, dass ihr vor den Motiven der Freier die Augen verschließt und gleichzeitig so hartnäckig die Lebensrealität der Frauen in der Prostitution leugnet? Dabei müsstet ihr doch nur hinsehen.


Wir Älteren erinnern uns. Es hat angefangen, ja, im Namen des Feminismus. Das war Ende der 70er Jahre. Da erschienen die ersten Texte darüber, wie schick es sei, sich zu prostituieren: in der feministischen Courage, im anarcho-linken Pflasterstrand, in der taz. Meist waren es Studentinnen, die als Gelegenheitsprostituierte jobbten. Sie wussten zu berichten, wie „geil“ es sei, mal eine schnelle Nummer für gutes Geld zu machen. Oder wie leicht es sei, in der Peepshow ein paar Mark für die WG-Kasse dazu zu verdienen.


Das waren die Töchter der „sexuellen ­Revolution“. Doch da hatten Feministinnen – wie Kate Millett in „Sexus und Herrschaft“ (1971) und „Das verkaufte Geschlecht“ (1975) oder Shulamith Firestone mit „Frauenbefreiung und sexuelle Revolution“ (1974) sowie ich im „Kleinen Unterschied“ (1975) – schon längst analysiert: Diese Art von „sexueller Revolution“ war nur die andere Seite der Medaille des bürgerlichen Miefs. Wir Frauen, die wir bisher nur einem Mann zu gehören hatten, sollten nun allen Männern gehören.


Eine der Folgen der neuen Libertinage war, dass sich so manche „sexuell Befreite“ sagte: Warum dann nicht auch gleich dafür kassieren? Das waren Frauen, die im Zuge der Gleichberechtigung die traditionell männliche Trennung von Gefühl und Sex übernommen hatten – oder aber aus den hinlänglich bekannten Gründen noch nie Gefühle beim Sex gehabt hatten. In der Tat, warum dann also nicht gleich kassieren?


Wenige Stimmen, darunter EMMA, stellten sich von Anbeginn an gegen diese Pervertierung der sexuellen Befreiung. Dabei gingen und gehen wir Feministinnen selbstverständlich nicht von einer ­natürlichen „weiblichen“ bzw. „männlichen“ Sexualität aus. Sexualität ist Kultur, ist ­erlernt. Und der Anspruch, dass Sexualität & Liebe Hand in Hand gehen, ist übrigens relativ neu. Im Patriarchat war Sexualität für Männer nichts als eine Art „Branding“ der Frauen, eine Machtausübung über Frauen; dabei unterschieden die Männer zwischen „Heiligen“, die ihnen allein gehörten, und „Huren“, die allen gehörten.


Das hat sich nicht zuletzt dank der Frauenbewegung geändert. Die meisten Frauen haben heute eine weitgehend selbstbestimmte Sexualität und ein eigenes Begehren. Sollen also ausgerechnet wir fortschrittlichen Frauen jetzt zur Wiederherstellung der alten Ordnung beitragen, indem wir das System Prostitution akzeptieren? Im Namen der Emanzipation? Und des Profits! Denn die Profitraten in Prostitution und Menschenhandel, beide untrennbar miteinander verknüpft, liegen heute bei locker ­tausend Prozent. Der global organisierte Handel mit Frauen bringt mindestens ­soviel wie der mit Drogen und Waffen.


Werden die Menschen sich in zwanzig, dreißig Jahren zurückwenden und sagen: Wie konnte das passieren? Wie konnten wir das zulassen! Vielleicht. Aber das tröstet mich nicht. Wir müssen jetzt handeln! Jeder Tag kostet zerschundene Körper und tote Seelen. Darum müssen wir im Gespräch bleiben. Und darum interessieren mich eure Motive.




  • Glaubt ihr, dass es Männern gefällt, wenn ihr pro Prostitution seid? – Oder verachten nicht gerade Männer das, weil sie viel besser wissen, was Prostitution wirklich ist?




  • Glaubt ihr, Prostitution sei sexy, weil ihr selber manchmal „schmutzige“ Fantasien habt, in denen ihr euch „verkauft“? – Dann solltet ihr den Unterschied zwischen Fantasie und Realität bedenken.




  • Glaubt ihr, Prostitution sei identisch mit Sexualität? – Dann solltet ihr mal Prostituierte und Freier nach ihren wahren Motiven und wahren Gefühlen fragen (nicht die, die sie ihren Kunden vorspielen). Frauen, die sich prostituieren, geht es ums Geld, meist haben sie keine andere Wahl. Freiern geht es um Machtausübung: Einmal nicht diskutieren bzw. nach ihrem Begehren fragen, sondern einfach fordern.




  • Glaubt ihr, es gäbe Prostituierte, denen das Spaß macht? – Dann solltet ihr mal die wunden Vaginas und zerrissenen Münder der Prostituierten sehen, die zehn, zwanzig Freier am Tag für 20, 30 Euro pro Nummer akzeptieren müssen. Fürs schiere Überleben.




  • Glaubt ihr, dass wir uns nicht einzumischen haben in die Verhältnisse, unter denen die Mehrheit der Prostituierten in Deutschland arbeitet? – Aber warum protestiert ihr dann gegen die Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen bei Amazon? Die bekommen immerhin einen Lohn über dem Mindestlohn und leben in Containern. Die meisten Elendsprostituierten träumen (nach Abzug der Zimmermiete) von einem solchen Stundenlohn. Und sie müssen in der Regel in den Betten schlafen, in denen sie die Freier bedienen.




  • ​Glaubt ihr, es sei altmodisch zu sagen: Der Körper ist keine Ware? Und denkt ihr, dass man im Kapitalismus alles verkaufen sollte, was kommerzialisierbar ist? – Dann müsstet ihr zum Beispiel auch für die Legalisierung des Organhandels sein oder der Leihmutterschaft.




  • Glaubt ihr, man könnte, ja sollte Sexualität und Gefühl trennen? – Oder kennt ihr in Wahrheit selber die Leere, die diese Trennung zurück lässt?




  • Glaubt ihr, „diese Frauen“ seien eben anders als ihr? – Oder seid ihr einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort geboren?




  • ​Glaubt ihr …




Doch was immer ihr glaubt, liebe ­Frauen: Denkt es zu Ende. Was wäre, wenn ihr selber in dieser Lage wärt? In der Lage dieser so fernen Prostituierten, gegenüber auf dem Straßenstrich oder nebenan im „Modelstudio“ bzw. im Bordell.


Und was immer ihr glaubt, bedenkt, wie allein schon die Möglichkeit, zu einer Prostituierten zu gehen, das Begehren und den Blick eines Mannes und eurer Söhne prägen kann. Ein Blick, der sich auch auf euch und eure Töchter richtet.


Und vor allem: Habt Mitgefühl! Habt Mitgefühl mit den Hunderttausenden von Frauen, die das materielle oder seelische Elend in die Prostitution treibt. Wendet euch nicht ab von diesen Frauen. Tragt bei zu ihrem Schutz – und zu ihrer realen Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Ein Leben, wie wir, ihr und ich, es so selbstverständlich führen.


Alice Schwarzer



Quelle: https://www.aliceschwarzer.de/artikel/liebe-befuerworterinnen-der-freiwilligen-prostitution-317539






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An die Bundeskanzlerin und den Bundestag


veröffentlicht im Herbst 2013 von Alice Schwarzer



Prostitution ist „das älteste Gewerbe der Welt“? Prostitution ist „ein Beruf wie jeder andere“? Prostitution wird es immer geben, denn ihre Abschaffung ist utopisch? Falsch. Auch die Abschaffung der Sklaverei galt vor gar nicht so langer Zeit noch als Utopie. Und auch wenn die Sklaverei aus unserer Welt keineswegs ganz verschwunden ist, so wäre es heutzutage für einen aufgeklärten, demokratischen Staat doch undenkbar, die Sklaverei zu tolerieren oder gar zu propagieren.


Doch genau das tut Deutschland mit der Prostitution: Es toleriert, ja fördert diese moderne Sklaverei (international „white slavery“ genannt). Die Reform des Prostitutionsgesetzes 2002, die angeblich den geschätzt 700.000 Frauen (Mittelwert) in der Prostitution nutzen sollte, trägt die Handschrift der Frauenhändler und ihrer LobbyistInnen. Seither ist Deutschland zu Europas Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern geworden. Ein deutscher Sonderweg. Selbst die Niederlande rudern zurück. Die skandinavischen Länder haben schon vor Jahren die Ächtung und Bestrafung der Freier eingeführt. Und Frankreich und Irland sind im Begriff, es ihnen nachzutun.


Weltweit sind Frauenhandel und Prostitution, beides untrennbar miteinander verbunden, heute neben dem Waffen- und Drogenhandel das Geschäft mit den höchsten Profitraten (über 1.000 Prozent). Profit nicht für die Frauen. Selbst die Minderheit deutschstämmiger Prostituierter, oft schon als Kinder Opfer sexu­eller Gewalt, landet zu über 90 Prozent in der Altersarmut. Ganz zu schweigen von den Ausländerinnen aus der Armuts- und Zwangsprostitution.


Das System Prostitution ist Ausbeutung und zugleich Fortschreibung der traditionell gewachsenen Ungleichheit zwischen Männern und Frauen (und Ländern/Kontinenten). Das System Prostitution degradiert Frauen zum käuflichen Geschlecht und überschattet die Gleichheit der Geschlechter. Das System Prostitution brutalisiert das Begehren und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt „freiwilligen“ Prostituierten.


Darum fordern wir von Politik und Gesellschaft:




  • Eine Gesetzesänderung, die der Deregulierung von Frauenhandel und Prostitution schnellstmöglich Einhalt gebietet und die Frauen sowie die Minderheit männlicher Prostituierter schützt.




  • Prävention in Deutschland und in den Herkunftsländern, sowie Hilfen zum Ausstieg für Frauen in der Prostitution. Und Schutz vor Abschiebung von Zeuginnen sowie deren Aufenthaltsrecht.




  • Aufklärung über die Folgen von Frauenkauf bereits in den Schulen etc.




  • Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Freier; also der Frauenkäufer, ohne die dieser Menschenmarkt nicht existieren würde.




  • Maßnahmen, die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Prostitution führen.




Ein menschenwürdiges Leben ist denkbar.



Quelle: https://www.emma.de/unterzeichnen-der-appell-gegen-prostitution-311923






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Nur eine Welt ohne Prostitution ist human“


Interview mit Alice Schwarzer, veröffentlicht am 04. November.2013 von Jörg Eigendorf, Marc Neller in „Die Welt“



Feministin Alice Schwarzer will sich den Traum von einer Welt ohne Prostitution nicht nehmen lassen. Sie sagt: 90 Prozent der Prostituierten wollen aussteigen – viele aber können es nicht.


„Wir fordern: Prostitution abschaffen“: Pünktlich zu den Koalitionsverhandlungen haben 90 Prominente einen Aufruf unterschrieben. Damit stellen sie sich gegen das Prostitutionsgesetz, das die rot-grüne Regierung 2002 das Geschäft der Huren zu legalisieren versuchte. Experten glauben sowieso nicht daran, dass sich das älteste Gewerbe jemals aus der Welt schaffen lässt, die „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer hingegen schon. Sie will sich nicht den Traum von einer prostitutionsfreien Welt nehmen lassen, fordert aber ganz pragmatisch, erst mal die kleinen Schritte zu gehen. Dazu könnte sogar gehören, dass Bordelle verstaatlicht werden.


Die Welt: Frau Schwarzer, wem nutzt ein solcher Aufruf – den Huren oder den Unterzeichnern, die sie jetzt auf Ihrer Titelseite abbilden?


Alice Schwarzer: Es nutzt dem Thema und ist hoffentlich ein Anstoß für die überfällige gesellschaftliche Debatte. Denn Prostitution ist in Deutschland heute gesellschaftsfähig. Sie gilt als cool. Wer einen solchen Aufruf unterzeichnet, muss sich vermutlich einiges anhören.


Die Welt: Das glauben Sie doch nicht wirklich. Der ARD-Tatort „Wegwerfmädchen“ oder der ZDF-Film „Operation Zucker“ haben für viel Empörung gesorgt.


Schwarzer: Klar empört sich darüber jeder, weil da Kinder betroffen waren. Aber die Lage erwachsener Prostituierter zu kritisieren, das ist bisher nicht angesagt. Da heißt es gerne, Prostitution ist „ein Beruf wie jeder andere“. Die Frauen und Männer, die unseren Appell zur Abschaffung der Prostitution unterschrieben haben, gehören zu einer mutigen Minderheit.


Die Welt: Sie wollen Prostitution abschaffen. Das ist doch völlig naiv.


Schwarzer: Finden Sie? Das hat man vor gar nicht so langer Zeit auch von den Gegnern der Sklaverei gesagt.


Die Welt: Ja, und Sklaverei gibt es in vielen Teilen der Welt immer noch.


Schwarzer: Ja, leider. Aber kein aufgeklärter, demokratischer Staat würde die Sklaverei noch dulden, verharmlosen oder gar propagieren – wie es Deutschland heute mit der Prostitution tut. Nur eine Welt ohne Prostitution, eine Welt, in der Männer nicht für einen Geldschein den Körper und die Seele einer Frau benutzen können, wäre eine humane Welt. Nahziel sind Schutz und Hilfe für die Frauen in der Prostitution – und die Möglichkeit zur Verfolgung der Menschenhändler, Zuhälter und Bordellbetreiber, die für Wuchermieten Zimmer an die Frauen vermieten. Ja, und über die Bestrafung der Freier müssen wir auch reden. Sie sind es schließlich, die überhaupt erst den Markt zum Frauenkauf schaffen.


Die Welt: In Stockholm mag das klappen, da braucht man nur ein paar Polizisten. Aber in einem Land wie Deutschland mit so vielen Großstädten und einer völlig anderen Sozialstruktur ist das komplett unrealistisch.


Schwarzer: Aus dem Mund der schwedischen Polizei hört sich das aber sehr praktikabel an. Die haben große Erfolge – auch bei den Frauen, denen sie den Ausstieg anbieten. 75 Prozent der Männer und 93 Prozent der Frauen in Schweden sind inzwischen gegen das System Prostitution.


Die Welt: Schwedische Männer reisen nach Deutschland oder Österreich und bringen in zwei Wochen ihr Erspartes unter die Huren. Im Winter werden die Prostituierten in Bussen in die Steiermark gekarrt.


Schwarzer: Mit der Prostitution ist es eben wie in der Finanzwelt. Wir brauchen eine globale Regulierung.


Die Welt: Die es auch in der Finanzwelt auf absehbare Zeit nicht geben wird. Ist es da nicht besser, Prostitution unter strenger staatlicher Kontrolle im eigenen Land anzubieten, statt die Freier ins Ausland zu treiben? Dann verdienen Prostituierte und Staat gleichermaßen, nicht aber Zuhälter und dubiose Zimmervermieter.


Schwarzer: Das wäre ein erster Schritt. Aber auch vor diesen Bordellen stehen die Zuhälter und kassieren. Vor allem, wenn es Frauen aus bitterarmen Ländern sind, die kaum ein Wort Deutsch sprechen.


Die Welt: Was schlagen Sie vor?


Schwarzer: Wir müssen mit kleinen Schritten anfangen. Zuallererst sollten wir Mitgefühl entwickeln. Für jeden von uns ist es selbstverständlich, dass man einer alten Frau nicht auf den Kopf schlägt und ihr die Handtasche klaut. Was mit den Prostituierten gleich nebenan passiert, ist aber noch viel schlimmer. Wir haben ein gesellschaftliches Klima, in dem Prostitution nicht als Übel verstanden wird. Im zweiten Schritt müssen wir bessere Gesetze machen, den Polizeiapparat stärken. Nur so können wir Menschenhändler verfolgen, Zuhältern und Bordellbesitzern das Leben schwer machen. Und drittens brauchen wir mehr Hilfe für die Frauen, aus dieser Szene auszusteigen.


Die Welt: Was kann der Staat den Frauen an Perspektive bieten? Viele sind so kaputt, die können überhaupt keinen normalen Job mehr machen.


Schwarzer: Das stimmt. Viele Frauen sind so abhängig, so zerstört, so hilflos, dass es keinen anderen Weg mehr zu geben scheint. Aber das kann doch kein Argument sein, einfach zuzusehen. Ich habe schon oft für etwas gekämpft, das utopisch schien. Glauben Sie mir: Irgendwann wacht die Gesellschaft auf. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass sich die "Welt" eines Tages so vehement gegen Prostitution einsetzt?


Die Welt: Fachleute sagen, es bewege sich etwas im Kampf gegen die dunklen Seiten der Prostitution. Was glauben Sie?


Schwarzer: Was heißt „dunkle Seiten“. Die ganze Prostitution ist ein dunkles Kapitel und liegt wie ein schwerer Schatten über dem Verhältnis der Geschlechter. Frauen sind das käufliche Geschlecht – und Männer die (potenziellen) Käufer. Unser ethisches und unser Rechtsempfinden muss sich ändern.


Die Welt: Sie haben das Prostitutionsgesetz der rot-grünen Regierung aus dem Jahr 2002 scharf kritisiert. Wie groß ist der Anteil dieses Gesetzes an der aktuellen Lage?


Schwarzer: Es ist entscheidend. Dieses Gesetz wurde von Anbeginn an für Menschenhändler und Zuhälter gemacht, nicht für die Prostituierten. Da haben die Lobbyisten kräftig mitgeschrieben – und einige Politikerinnen naiv mitgemacht. Die Frauen sind seither noch schutzloser. Mit Selbstbestimmung hat das für 95 Prozent der Prostituierten nichts zu tun. Das linke und liberale Milieu hat total versagt in der gesamten Sexualpolitik. Der Hauptfehler war die Leugnung der Machtverhältnisse: zwischen Erwachsenen und Kindern bei der Pädophilie, zwischen Männern und Frauen in der Prostitution.


Die Welt: Die Konservativen sind da fortschrittlicher?


Schwarzer: Nein. Aber die haben wenigstens noch die gute alte Doppelmoral. Das ist besser als gar keine Moral. Den konservativen Männern ist es wenigstens noch peinlich, ins Bordell zu gehen.


Die Welt: Die Lobby-Verbände der Prostituierten werben für den Beruf. Sie hingegen streiten ab, dass Frauen das freiwillig machen.


Schwarzer: Klar, dass die dafür werben. Diese Verbände sind in den Händen der Bordellbetreiber – und die verdienen an den Frauen. Ich habe in den vergangenen 40 Jahren noch nicht eine Frau kennengelernt, die den Job gerne gemacht hätte und nicht eigentlich aussteigen wollte. 90 Prozent aller Prostituierten wollen aussteigen – aber sie können es oft nicht.


Die Welt: Und was ist mit den Studentinnen, die sich nebenher schnelles Geld als Escort-Damen verdienen? Nach dem Motto: lieber anschaffen als putzen?


Schwarzer: Auch das gibt es natürlich. Ich fürchte nur, der Kater kommt später. Damit zerstört eine Frau sich natürlich jede Unbefangenheit in der Sexualität. Doch vermutlich war sie schon vorher zerstört. Über 90 Prozent aller Prostituierten erlitten schon als Kinder Missbrauch. Frauen, denen das erspart geblieben ist, haben Glück. Als ich 21 Jahre alt war, habe ich als Sprachstudentin in Paris gelebt. Damals habe ich für drei Francs die Stunde geputzt. Ich bin nicht einmal auf den Gedanken gekommen, stattdessen meinen Körper zu verkaufen.


Die Welt: Viele Frauen aus Osteuropa oder Afrika sehen gar keine andere Wahl, als sich zu prostituieren. Es ist eine existenzielle Frage.


Schwarzer: So ist es. Die meisten Prostituierten kommen aus den ärmsten Ländern. 90 Prozent des so genannten Frischfleischs, das in Deutschlands Bordellen angeboten wird, kommt heute aus Bulgarien oder Rumänien. Es sind Armuts- und Zwangsprostituierte. Manche werden von ihren eigenen Familien verkauft. In dem Zusammenhang von Freiwilligkeit zu sprechen, ist der pure Zynismus.


Die Welt: Woher nehmen Sie solche Zahlen?


Schwarzer: Die können Sie sehr leicht auch selber recherchieren. Reden Sie mit der Polizei, den Sozialarbeiterinnen, gehen Sie in die Bordelle.


Die Welt: Das haben wir auch getan. Wie unser Prostitutionsatlas zeigt: Es gibt keine verlässlichen Zahlen – nicht einmal darüber, wie viele Huren in einer Stadt arbeiten.


Schwarzer: Ihre Statistik zeigt nur, wie ineffektiv selbst auf der Ebene das Prostitutionsgesetz ist. Niemand hat ein Interesse, Transparenz in dieses dunkle Geschäft zu bringen: nicht die heimlich arbeitenden deutschen Prostituierten, von denen es meist die eigenen Kinder nicht wissen, nicht die Armuts- und Zwangsprostituierten - und schon gar nicht die wahren Profiteure. Wir sind also auf Schätzungen angewiesen.


Die Welt: Was ist mit den wenigen deutschen Frauen, die sich noch prostituieren?


Schwarzer: Sie sind entweder in das Milieu hineingeboren worden. Oder sie haben schon als Kind lernen müssen, gefügig zu sein, sich mit Sex Zuneigung zu erkaufen, sind also Opfer von Missbrauch. Irgendwann stellen sie dann fest, dass es dafür sogar Geld gibt und ein bisschen Macht. Aber die verfliegt schnell. Was bleibt ist: Drei von vier Prostituierten sind abhängig von Drogen und Alkohol, zwei von drei werden im Job vergewaltigt, zwei von drei leiden unter posttraumatischen Störungen. Das sagen uns internationale Studien. Prostitution ist die hässliche Fratze des strukturell ungleichen Verhältnisses zwischen den Geschlechtern.


Die Welt: Warum der Geschlechter? Prostitution gibt es auch unter Männern, und auch Frauen gehen zu männlichen Prostituierten.


Schwarzer: Es ist in der Tat keine Frage des biologischen Geschlechtes, sondern eine des Machtverhältnisses, in dem Menschen zueinander stehen.


Die Welt: Warum tut sich die Bundesregierung so schwer, dass Gesetz von 2002 zu verändern?


Schwarzer: Erst hat sich die SPD damit schwer getan, den eigenen Fehler einzugestehen. Und dann hat die FDP blockiert. Doch das ist nun nicht mehr das Problem.


Die Welt: Die SPD-Frauen haben Ihren aktuellen Verbots-Aufruf nicht unterschrieben.


Schwarzer: Noch nicht. Aber die Vorsitzende der SPD-Frauen, Elke Ferner, hat uns geschrieben, dass sie und ihre Kolleginnen „alle Forderungen des Appells richtig“ finden. Und sich „auf jeden Fall für Änderungen des Gesetzes einsetzen“ werden. Die Zeit ist reif. Die Große Koalition wird Schluss machen mit der Deregulierung des Prostitutionsmarktes und hoffentlich die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen für menschenwürdigere Verhältnisse.



Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article121496718/Nur-eine-Welt-ohne-Prostitution-ist-human.html






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Offener Brief an A. Schwarzer: Dreizehn Punkte und Drei Fragen


veröffentlicht von Freieroffensive



Sehr geehrte Frau Schwarzer,

in regelmäßigen Abständen wettern und zetern Sie zur besten Sendezeit über Männer, die für Sex bezahlen. Am liebsten würden Sie uns verhaften und in ein kaltes feuchtes Loch stecken. Wir Freier erkennen uns in Ihren Tiraden nicht wieder. Eine Autorin Ihrer Zeitschrift EMMA fragt sogar: „...das Gewissen. Wo wird das eigentlich abgestellt, während der eigene Schwanz im Leib der Frau wütet?“ In der aktuellen Debatte um Paysex werden aktive Sexarbeiterinnen kaum gehört. Und die sogenannten Freier melden sich nicht zu Wort. In Ihrer Kampagne gegen Sex als bezahlte Dienstleistung diabolisieren Sie die Kunden von Sexarbeiterinnen und fordern sogar ihre Kriminalisierung. Um Ihrer schlechten Meinung über uns - Männer, die für Sex bezahlen - etwas entgegenzusetzen, widmen wir Ihnen die folgenden 13 Punkte und drei kurze Fragen:


1) Bevor wir zum Paysex gehen, duschen wir und schneiden uns die Nägel. Respekt ist oberstes Gebot, nicht nur, weil wir wissen, dass der Wald so heraus-, wie man in ihn hineinruft, sondern auch einfach, weil wir die meisten Mädels mögen. Eine weitere Regel ist: verlieb dich nicht in eine Hure, und andersrum bei den Damen: verlieb dich nicht in einen Freier. Die allermeisten halten sich dran. Telefonnummern tauschen wir gerne mit unseren Lieblingswanderhuren. Und sie mit uns. Sie ziehen von Stadt zu Stadt und von Wohnung zu Wohnung. Wenn sie wieder in unserer Region sind, schicken sie uns eine Nachricht und freuen sich auf unseren Besuch. Nein, wir denken nicht, dass sie sich freuen, weil wir so sexy sind. Wir wissen, dass Geld sexy macht. Aber auch ein(e) Barkeeper(in) oder ein(e) Taxifahrer(in) tut ihren Job nicht wegen der netten Klienten. Trotzdem freuen sich fast alle Dienstleister/innen über angenehme Kunden.


2) Blasen, Ficken, Quatschen, Küsschen links und Küsschen rechts, „es war schön, bis zum nächsten Mal“. Wir verlassen den Tatort mit einem Lied auf den Lippen, aber wir sind keine Vergewaltiger. Unsere Umgebung profitiert von unserer guten Laune, die einige Tage anhalten kann. Die meisten Frauen sind aus Ländern mit hoher Armut, aber auch deutsche Hausfrauen und Studentinnen „schaffen an“. Unterhaltungen werden auf Deutsch, Englisch, Spanisch, oder in anderen Sprachen, und in Körpersprache geführt. In der landläufigen Vorstellung vom Freier gibt es zwei Typen: der eine, der nur „das Eine“ will, und der andere, der nur reden will. Weit gefehlt. Wir wollen alles. Der AST (
After Sex Talk) ist angenehm und anregend. Fast alle Frauen, die wir kennenlernen, sind selbstbewusst, stolz und interessant. Jeder von uns kann von Highlights berichten: Herrliche Erlebnisse mit himmlischen Frauen. Einige würden wir auf der Stelle weg heiraten oder hätten sie gerne als Freundinnen für immer an unserer Seite. Und halten Sie uns bitte nicht für blöd. Paysex ist zwar ein bezahltes Spiel. Trotzdem wissen wir, wen wir vor uns haben.

3) Genau besehen haben weder Frauen noch Freier ein Problem mit der Moral. Es ist
winwin. Die einen brauchen Geld, die anderen brauchen Sex. Das ist ein Geschäft, und kein Zwang: weder zwingen wir den Frauen unser Interesse auf, noch vice versa. Die unglückliche Verbindung von Macht und Sex haben wir anderswo kennengelernt. Mit oder ohne Fingerring haben wir – in vielerlei Form - beim korrekten Beziehungssex oft mehr bezahlt als bei der gekauften Liebe. Nein, wir sind auch keine Beziehungs-looser, im Gegenteil. Aber es gefällt uns einfach, gut zu poppen. Was Paysex attraktiv macht, ist die Klarheit der Vereinbarung, die Augenhöhe, die Abwesenheit von Macht. Sie werden nun sagen, das Geld sei die Macht. Richtig, Sex in Warenform und ein kühles Bier haben eines gemeinsam: Beides muss bezahlt werden. Doch in Laufhäusern, Clubs und Apartments treffen nicht machtgeile Männer auf „gefallene“ Frauen, sondern erwachsene Alltagsmenschen unterschiedlicher Herkunft gehen eine Geschäftsbeziehung ein. Und ob Sie es glauben oder nicht, in den Etablissements geht es meistens heiter bis lustig zu; eine dumme Welt voll harter Gegensätze lässt sich eben nur mit etwas Witz ertragen.

4) Wichtig ist: Wir sind nicht die Minderheit, sondern wir sind Mehrheit, wir sind Millionen. Natürlich sind wir nicht alle Edelfreier, sondern auch Schnäppchenjäger, Optikficker, Pornorammler, Romantiker, Exzentriker, Cowboys, Naturburschen, Liebeskasper, Muttersöhnchen, große, kleine, naive, doofe, eingebildete, intelligente und gebildete Freier – um nur einige Typen zu nennen; einige SDLs (Sexdienstleisterinnen) bieten ihren Service auch für Frauen, Paare, und Männer und Frauen mit Behinderung an. Fast alle Freier werden bestätigen, dass gegenseitiger Respekt zwischen Kunde und SDL Voraussetzung und Grundlage des gekauften Aktes sind. Dieser ist für uns - Frauen und Freier - nicht die höchste Form der Liebe, sondern Massage, mit Illusion auf Zeit und Höhepunkt. Wir wissen, dass die Arbeit als SDL hart sein kann. Umso mehr schätzen wir, wenn die Damen guter Laune sind. Wenn unser Geldbeutel es erlaubt, geben wir mehr als vereinbart.
Safe sex gibt es nicht, dafür Regeln für safer sex. Wer diese nicht befolgt – egal ob Männer oder Frauen -, bringt andere in Gefahr und gehört unserer Meinung nach strafverfolgt.

5) Und halten Sie die Frauen nicht für blöd, auch sie wissen über uns sehr gut Bescheid. Sexarbeiterinnen sind nicht nur edle Frauen, sondern Freundin, Kumpel, Mutter, Domina, dicke, dünne, laute, leise, strenge, harte, liebe, freche, naive, ausgebuffte, zornige, doofe, eingebildete, intelligente und gebildete Huren – um nur einige Typen zu nennen. Viele haben es faustdick hinter den Ohren. Anders würden sie gar nicht durchkommen, vor allem wenn sie in deutschen Landen nicht zu Hause sind. Auch Huren haben Berufsehre, und es soll welche geben, die gelegentlich ihren Spaß mit Kunden haben, zum Beispiel mit Stammkunden, die sie gut leiden können. Freier und Huren ergeben eine facettenreiche Vielfalt von Kombinationen. Ob die „Chemie stimmt“, entscheidet sich jedes Mal neu. Im Zentrum des Stelldicheins stehen dann recht einheitlich die „11 Minuten“, die Paul Coelho zum Titel seines kitschigen Bestsellers über Prostitution machte.


6) Wir wissen, dass mit unserem Geld ganze Familien in Rumänien, Bulgarien oder in der Karibik ernährt werden. Oder das Studium wird finanziert, in Polen, Ungarn oder Deutschland. Wir halten uns nicht für gute Menschen, aber schlecht kann das nicht sein. Manche erzählen uns von zu Hause, von Familie und von Kindern. Das Leben ohne Geld treibt sie in die Geldmetropolen. Zugegeben, einige Mädels tragen das Verdiente wohl einem Taugenichts hinterher. Es ist jedoch nicht Prostitution, wenn eine Frau arbeitet und ein Mann schmarotzt. Man nennt diese Art von Arbeitsteilung Patriarchat. Wir paternalisieren die Frauen nicht, indem wir ihnen ungefragt Ratschläge geben, was gut oder schlecht für sie wäre.


7) Zwangsprostitution und Menschenhandel sind eine andere Angelegenheit; es ist der Tatbestand der Vergewaltigung. Wer Frauen bedroht, verletzt, oder sie verkauft, soll eingesperrt werden. Wir wissen wohl, dass es Freier gibt, die sich an echter Brutalität oder mit Minderjährigen aufgeilen. Wir sind jederzeit bereit, die Schweine anzuzeigen. Wenn wir selbst kriminalisiert werden, ist das nicht mehr möglich. Je weniger die bezahlte Sexdienstleistung geächtet ist, umso weniger Raum haben Menschenhändler, sich in diesem Milieu zu tummeln; gigantische Gewinnmargen für mafiöse Banden sind nur in illegalen Gesellschaftssegmenten möglich. Dem entsprechen die aktuellen Zahlen: Die Fälle von Menschenhandel sind laut BKA seit Einführung des neuen Prostitutionsgesetzes rückläufig. Reflexartig nennen Sie, Frau Schwarzer, diese Zahlen „nur die Spitze des Eisberges“ und verweisen auf eine geheimnisvoll ansteigende „Dunkelziffer“. Belege haben Sie nicht. Und selbst Wikipedia weiß, dass dem Terminus Zwangsprostitution "entgegengehalten wird, dass er strukturelle Probleme von Migration und Wohlstandsgefälle in Täter-Opfer-Schemata zu pressen versucht". Nicht nachprüfbare Horrorzahlen zum Menschenhandel werden meistens benutzt, um gegen Armutsmigration Stimmung zu machen.


8) Der Gewinn der Unternehmer ist der Zweck der freien Marktwirtschaft. Deshalb gehen wir davon aus, dass Bordellbesitzer sich an uns eine goldene Nase verdienen. Trotzdem nehmen die Frauen aus Osteuropa in den Puffs der erfolgreichsten europäischen Wirtschaftsnation noch ein Vielfaches von dem ein, was ihre Männer auf deutschen Großbaustellen erarbeiten können. Sonst würden sie den Job ja nicht machen. Der global durchgesetzte Konkurrenzkampf macht sie zu Verlierern und Verliererinnen in ihren Herkunftsländern. Deshalb versuchen die Frauen hier an unser wertvolles Geld zu kommen. Was wir ihnen gerne geben. Besonders wenn wir entspannt und zufrieden nach Hause gehen. Dann wissen wir, dass der Betrag gut angelegt war. Zu unserer Begeisterung ist dies fast immer der Fall. Wir wissen wohl, dass wir Nutznießer dieser weltweiten Wirtschaftsordnung sind. Allerdings sind wir nicht die Verursacher. Nebenbei bemerkt gehören wir auch nicht zur rasant ansteigenden Zahl deutscher Millionäre und Multimillionäre. Von Konsumboykott halten wir nichts: das bringt weder den Frauen noch uns einen Vorteil.


9) Sie, Frau Schwarzer, malen ein völlig anderes Bild vom Milieu der Sexdienstleistungen. Sodom und Gomorrha und der Vorraum zur Unterwelt dienen Ihnen als Matrix ihrer publikumswirksamen Assoziationen. Das eingangs erwähnte Zitat der EMMA-Autorin, einer katholischen Sozialarbeiterin aus Süddeutschland, erinnert an mittelalterliche Folter durch Pfählung, nicht an bezahltes Liebesspiel; wir vermuten übrigens, dass die Verfasserin an dieser Stelle ihre sexuellen Gewaltphantasien nicht mehr zurückhalten konnte. Die Dame gilt beim Deutschen Bundestag als „Expertin zur Bekämpfung des Menschenhandels und der Überwachung von Prostitutionsstätten“. Ihr ist nicht fremd, was auch Freier wissen: „In aller Regel arbeiten die Frauen für ihre Familien und schicken ihren gesamten Prostitutionserwerb nach Hause.Viele der Frauen sind nicht alleine hier. Sie werden begleitet von Brüdern, Cousins, von ihren Ehemännern, von ihren Vätern... Jeder Cent wird gespart und nach Hause geschickt... So kommt die typische Prostituierte aus Osteuropa, ist Anfang 20 und hat zwei oder drei Kinder im Heimatland“ (Sabine Constabel vor dem Dt. Bundestag, Juni 2013).


10) Wir wissen, dass Mut dazugehört, irgendwo in Rumänien die Koffer zu packen, um in einem fremden Land Geld an fremden Männern zu verdienen. Nicht wenige der Frauen haben eine Ausbildung, es gibt auch Akademikerinnen. Uns erzählen sie, dass es sich in ihrer Heimat längst herumgesprochen hat, wie frau in Deutschland Geld verdienen kann. Viele - bei weitem nicht alle - kommen im Familienbetrieb hierher, aber ohne mit der Pistole am Kopf gezwungen zu werden. Andere organisieren unabhängige Fahrgemeinschaften oder pendeln in Linienflügen. Wenn S. Constabel behauptet, die Frauen wüssten nicht, worauf sie sich einlassen, gründet sie diese Einschätzung auf ihre langjährige Arbeit in der Altstadt Stuttgarts, vor allem vom Straßenstrich. Sie vergisst, dass den von ihr betreuten Klientinnen sehr wohl bekannt ist, dass sie Sozialarbeiterin ist und
wie andere Dienstleister/innen auch ihre Arbeit nicht aus altruistischen Gründen tut. Zudem sind typische Helfernaturen stets in einer weltanschaulichen Mission unterwegs. Überall auf der Welt, wo Arm auf Reich trifft, erzählen deshalb die Mittellosen ihren professionellen Freunden genau das, was diese hören wollen. Alles andere wäre für die Bittstellerin auch wenig nutzbringend. Das Gespräch der (bezahlten) Helferin mit der hilfsbedürftigen Hure ist kein herrschaftsfreier Dialog.

11) Sie, Frau Schwarzer, als auch ihre scheinheilige Sozialarbeiterin, sind ein Ausbund an Heuchelei. Ihr erklärtes Ziel ist die Kriminalisierung der Freier und das Verbot der Prostitution. Sie geben sich dabei als Freundinnen und Helferinnen der Prostituierten aus. Auch wenn Sie mit der von Ihnen angestrebten Repression Menschenhandel und Zwangsprostitution fördern würden. Sie wollen die Sexarbeit abschaffen, indem sie den Sexarbeiterinnen die Einnahmequelle nehmen, und erklären dies zu einer Schutzmaßnahme für die Sexarbeiterinnen. Eine seltsame und absurde Logik. Haben Sie die Betroffenen denn gefragt? Solange Sie nicht in der Lage sind, allen SDLs, die in Deutschland arbeiten, einen Arbeitsplatz als Chefredakteurin zu vermitteln, nehmen wir Ihnen nicht ab, dass Sie es ehrlich meinen. Da von vorneherein klar ist, dass sie das weder wollen noch können, ist die Funktionalisierung der Frauen eine verachtenswerte Angelegenheit. Wir selbst wünschen jeder unserer Freundinnen auf Zeit viel Glück und Erfolg, wenn sie sich woanders nach einem Job umsehen.


12) In Ihrem Kreuzzug gegen Sex als Dienstleistung basteln Sie fleißig am öffentlichen Antiprostitutionsdiskurs. Ein wesentlicher Baustein dieses Diskurses gegen die bezahlte Sexdienstleistung ist die systematische Gleichsetzung von Zwangsprostitution mit freiwilligem Sex für Geld: Bezahlter Sex soll sich als Metapher für Gewalt und Ausbeutung ins Hirn der Bürger einbrennen. Sie wollen erreichen, dass Frauen, die wegen der vergleichsweise guten Verdienstmöglichkeiten dafür entscheiden, in diesem Gewerbe zu arbeiten, pauschal zu Vergewaltigungsopfern stigmatisiert werden. Das ist gequirlter Quatsch mit Soße. Sie entmündigen die Frauen, die die Preise aufrufen, und verteufeln die Männer, die sie buchen. Wir stellen einen wesentlichen Teil der Bevölkerung. Seltsam ist, dass weder Freier noch Huren in Ihre vermeintliche Hilfsaktion miteinbezogen werden. Warum Sie das nicht tun, ist klar. Das geliebte Klischee von Täter und Opfer würde wanken, wenn ein repräsentativer Querschnitt der Betroffenen zu Wort kommen würde. Das Ziel Ihrer Kampagne, ein Klima der Verunglimpfung und Verleumdung zu schaffen, würde Schaden nehmen. Flankiert werden Ihre Bemühungen von engagierten Tatortkommissar/innen und den reaktionärsten Kardinälen, die die katholische Kirche zu bieten hat.


13) Bei der Analyse Ihrer Text- und Wortbeiträge fällt auf, dass Sie vorsätzlich direkten Zwang und die Gewalt der Armut durcheinanderwerfen. Dazu werden anrührende Anekdoten aus der Sozialarbeiterklientel der Rotlichtviertel erzählt. Meist sind sie vom Straßenstrich, einem Teil des Sexgewerbes, der nicht repräsentativ ist. Sicher sind die Beispiele wahr, aber nicht einmal für den Straßenstrich charakteristisch. Das publizistische Produkt Ihrer Arbeit liegt unter Bildzeitungsniveau und hat weder mit den Lebenswelten der Sexarbeiterinnen, noch mit der Wirklichkeit in Bordellen, Clubs und Laufhäusern, noch mit der Einstellung normaler Freier zu Frauen zu tun. Wir wissen, dass jede irgendwie ihr Geld verdienen muss. Sie tun es, indem Sie ein absichtlich verzerrtes, aber reißerisches Bild vom Sexgewerbe verkaufen. Es geht Ihnen nicht um die Abwägung von Argumenten zum Vorteil ausgebeuteter Frauen, sondern ihr Ziel ist die gewaltsame Ausmerzung einer jahrtausendealten Interaktion der Geschlechter. Diese ist in Deutschland momentan nicht verboten und passt nicht in Ihr bigottes Weltbild. Wir sind ganz auf Ihrer Seite gegen Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Menschenhandel. Aber wir halten Ihre Hetze gegen die bezahlte Sexdienstleistung für kontraproduktiv, langweilig, uralt, verlogen, und gefährlich. Bezahlter Sex ist nicht entwürdigend für Frauen, und es ist keine Schande für Männer, für Sex zu bezahlen.



Drei Fragen an Frau Schwarzer:


1) 1) Warum soll Sex denn keine Ware sein? (Wenn schon das Essen, das wir essen, und das Wasser, das wir trinken, Ware ist. Anders als Sex sind Essen und Trinken sogar primäre Bedürfnisse. Und da soll Sex kostenlos sein? Nur die Luft zum Atmen ist (noch) kostenlos.)


2) 2) Warum sollte eine erwachsene Frau nicht die Gelegenheit ergreifen dürfen, binnen drei Tagen zu verdienen, was sie in ihrem Heimatland in drei Monaten nicht verdienen würde?


3) 3) Warum kann Frau Schwarzer sich Frauen immer nur als Opfer, und Männer nur als (Übel)täter vorstellen?



Wir freuen uns, wenn Frau Maischberger und Herr Jauch zur nächsten Show mit Frau Schwarzer auch wortstarke Freier einladen. Wir rufen alle sogenannten Freier dazu auf, Frau Schwarzers Schmutzpropaganda offensiv zu widersprechen.


Mit freundlichen Grüßen,

Manuel Köhler, Patrick Maurer, Daniel Müller, Thomas Schuster, Martin Weber




Quelle: http://freieroffensive.blogspot.de/



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