Aus unserer Redaktion

German FKK and Saunaclubs

Im Januar 2015 erschien auf „therichest.com“ ein Artikel über die 10 weltweit populärsten Destinationen in Bezug auf Sextourismus. Aufgeführt werden:



  1. Thailand

  2. Niederlande (Amsterdam)

  3. Mexiko (Tijuana)

  4. Japan

  5. Kenia

  6. Indien (Sonagachi)

  7. Costa Rica

  8. Israel (Tel Aviv)

  9. Indonesien

  10. Deutschland


Der Artikel führt aus: „Deutschland ist bekannt für viele Sachen einschließlich seiner großen Bier-Tradition, seiner Nazi-Vergangenheit und seiner legalisierten Prostitution. Die Deutschen sind sehr offen, wenn es um Sex geht, und finden nichts Besonderes daran, Bordelle zu haben, in denen 'Gentlemen' für Sex bezahlen.“


Dass exotische Länder wie Kenia, Indonesien und Thailand sowie Hot-Spots des weltweiten Paysex wie Amsterdam, Tijuana und Tel Aviv. in dieser Liste auftauchen, überrascht wenig. Erstaunlich ist jedoch, dass Deutschland das einzige Land der westlichen Welt ist, das einer näheren Betrachtung wert zu sein scheint, wenn es um Bordelle geht. Sex gegen Bezahlung gibt es überall auf der Welt, zumindest auf informeller Ebene. In vielen Ländern ist Prostitution offiziell verboten, wird aber stillschweigend toleriert; in anderen Ländern ist Prostitution zwar erlaubt, das Betreiben von Bordellen ist jedoch untersagt. In Deutschland hingegen gibt es Bordelle in allen Schattierungen, Prostitution ist hierzulande legal, weit verbreitet und die käufliche Liebe ist vergleichsweise billig zu haben, was bisweilen zu absurden Verhältnissen im europäischen Vergleich führt. Nirgends zeigt sich das deutlicher als an der deutsch-französischen Grenze. Während in Frankreich – einem Land, das in kultureller, politischer und ökonomischer Hinsicht absolut vergleichbar mit Deutschland ist – darüber nachgedacht wird, das schwedische Prostitutionsmodell zu übernehmen, in dem Freier mit heftigen Sanktionen bedacht werden, heißt in Saarbrücken, gleich hinter der Grenze, schon der erste große deutsche Saunaclub – das Paradise - insbesondere auch seine französischen Gäste aufs Herzlichste willkommen.


In Deutschland gedeiht die Prostitution in all ihren kreativen und teils bizarren Facetten: Laufhäuser, Rotlichtviertel, Bordellstraßen, Straßenstrich, Terminwohnungen, Privathäuser, Telefonsex, Dominastudios, Escortservice, Hobbyhuren, Money-Slavery, Partytreffs, Nightclubs, Tabledance-Bars, Sexkinos, Adult-Partys sowie bisher sogar auch Flatrate-Bordelle & Gangbang-Partys bilden ein Potpourri unterschiedlichster Tummelplätze, in denen der geneigte und geile Gast hot Sex in allen Schattierungen gegen Bezahlung ausleben kann, ohne in nennenswerter Weise polizeilicher Verfolgung oder gesellschaftlichen Restriktionen ausgesetzt zu sein. Das gibt es so in keinem anderen westlichen Land und das hat sich auch schon in anderen Ländern herumgesprochen.


 


FKK-Clubs und Saunaclubs "Made in Germany"


 


Eine besondere Spielart der deutschen Bordellkultur sind die deutschen FKK-Clubs und Saunaclubs. Was man sich unter "german FKK" vorzustellen hat, das ist unter Paysex-Kunden in der ganzen Welt längst ein Gemeinplatz. Dabei ist das deutsche Wort „Freikörperkultur“ für Ausländer zunächst einmal nichts weiter als ein unverständlicher Zungenbrecher, dem als Kristallisationspunkt zur Auseinandersetzung mit deutschen Bräuchen kein großer Erfolg beschieden wäre – wenn nicht dessen Akronym FKK stellvertretend stünde für ein bahnbrechendes Bordellkonzept.


Das Konzept von FKK-Club oder Saunaclub ist eigentlich nicht schwer zu begreifen: Mann geht in ein mehr oder weniger ordentlich geführtes Etablissement, bezahlt einen auskömmlichen Eintrittspreis in der Größenordnung von 50 €, bekommt Spind und Bademantel zugewiesen und kann sich den ganzen Tag über unbehelligt in der Anlage bewegen, die Wellnesseinrichtungen nutzen, relaxen und sich verköstigen lassen, Abfeiern und Party bis tief in die Nacht hinein oft inklusive. Alles easy, alles entspannt. So weit die Hardware. Tja, und dann sind dann noch die weiblichen Gäste des Clubs - im bundesdeutschen Jargon Clubdienstleisterinnen (CDL) genannt - also die Software des Hauses. In den größeren FKK- und Saunaclubs versammeln sich an Spitzentagen schnell 50-100 Girls, die bei Interesse sexuelle Dienstleistungen anbieten. Da ist für jedes männliche Beuteschema etwas dabei. Mann kann in aller Ruhe das Angebot sichten - WYSIWIG, What You See Is What You Get. Wer schon einmal der käuflichen Liebe aufgrund von Annoncen in einschlägigen Zeitschriften oder im Internet nachgegangen ist und sich anschließend über Fake-Photos oder Photoshop-manipulierte Photos, die bestenfalls eine vage Ähnlichkeit mit der inserierenden Dame erkennen ließen, geärgert hat, der weiß, dass das ein Wert an sich ist. Preise werden vor Ort individuell ausgehandelt und liegen insbesondere im internationalen Vergleich im moderaten Bereich, denn Deutschland ist ein Paysex-Käufermarkt. Und Nepp ist weitgehend unbekannt.


Das war auch in Deutschland nicht immer so. Noch in den 80er Jahren wurden Puffbesucher regelmäßig mit Sätzen wie „Schatzi, willst du nicht mal etwas mehr anlegen?“ konfrontiert, sobald man mit der Dame seiner Wahl aufs Zimmer verschwand. Wer verneinte, der wurde zumeist mit sehr abgespeckter Leistung „abgefertigt“, die gelegentlich auch totaler Leistungsverweigerung gleichkam. Nepp und Koberei waren an der Tagesordnung. Wer es etwas gediegener mochte, der ging in einen Nightclub, in dem trinkfreudige Damen gerne Gesellschaft leisteten und dabei nach und nach die eine oder andere Flasche Schampus und den Geldbeutel des Gastes zu leeren verstanden. Drei Dinge haben sich seitdem geändert:



  • Der Fall der Berliner Mauer 1989 hat eine bis dahin nie gesehene Einwanderung osteuropäischer Frauen eingeleitet, die insbesondere in Deutschland als Prostituierte ihre Dienste anbieten.

  • Das Internet hat für enorme Transparenz gesorgt. Paysex-Kunden aus aller Welt sind heutzutage viel aufgeklärter als vor dem Internet-Zeitalter.

  • Das Prostitutionsgesetz hat in Deutschland 2002 den Startschuss dafür gegeben, dass FKK-Clubs und Saunaclubs wie Pilze aus dem Boden schossen.


FKK-Clubs und Saunaclubs "Made in Germany" sind ein Phänomen des deutschen Sprachraums, insbesondere ein deutsches Phänomen. In Österreich und in der Schweiz sind FKK-Clubs und Saunaclubs auch verbreitet, kaufkraft-und angebotsbedingt sind die Preise in diesen Ländern jedoch spürbar höher. Die beiden niederländischen Saunaclubs, die auf www.freierverkehr.com gelistet sind, befinden sich unmittelbar an der deutschen Grenze und gehören de facto zum deutschen Einzugsgebiet. Und nicht von ungefähr befinden sie sich in einer Region, die unmittelbar benachbart ist zu dem Landstrich, in dem sich die meisten Saunaclubs überhaupt ballen.